Archiv des Monats: August 2013

Sieben Wochen ohne

Es wurde ja auf einigen Fotos schon deutlich: Ich habe mich längere Zeit nicht mehr rasiert. Das letzte Mal in Broome. Erst war das Faulheit, da ich keine Lust hatte, den Rasierer dauernd aus dem Backpack zu wühlen, dann war es… äh… weiterhin Faulheit. Oder Bequemlichkeit, das klingt besser. Und natürlich ein Experiment. Da ich ja schon diverse Zuschriften bekommen habe, wie das denn nun wirklich aussieht, präsentiere ich hiermit: Tobi mit Bart.

 P1060733

Gehaltvolle Kommentare oder auch solche unter der Gürtellinie (damit alle angesprochen sind) bitte in den, wie passend, Kommentaren.

Mittlerweile ist er übrigens, nach ziemlich genau sieben Wochen, wieder ab. Dazu muss man nur aus einem Flugzeug springen und der Fallwind erledigt den Rest.

Skydive0014

Gibt es weitere Wünsche für zukünftige Experimente? Ich bin derzeit für alles offen.

Heute geht es übrigens von Cairns aus weiter in den Süden, mit vielen Ideen, aber ohne richtigen Plan. Auch mal schön.

Red Centre Tour: Day 3 – Kings Canyon

04.08.13

Da will der gemeine Tourist eigentlich nur den Uluru sehen und dann kommen die nächsten beiden Tage noch solche Steigerungen. Gut, dass ich vorgewarnt war. Der Kings Canyon im Watarrka National Park setzt der Tour im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf – wenn man die fruchtbaren, grünen Landschaften inmitten dieser roten Ödnis sieht, bleibt einem (also mir) die Spucke weg. Und das beste: Der Canyon fasst nochmal alles das zusammen, was ich bisher gesehen habe: Fluss, Gorges (wobei das per Definition natürlich nicht stimmt), uralte Gesteinsformationen, tiefe Abgründe, Aborigine-Malereien und -Versammlungsstätten, Pflanzen und Vögel und sogar noch die Bungle Bungles (in Kleinformat). Ein toller Abschluss der Zeit im Outback – als wenn ich das geplant hätte…

Im Vergleich zu der ersten Tour war diese schon deutlich touristischer. Es sind wirklich Massen, die dort durch die Gegend gekarrt werden – und das jeden Tag aufs Neue. Und auch wenn man sich einige Plätze mit mehreren Dutzend oder gar Hunderten von Leuten teilen muss, kann ich diese Tour sehr empfehlen. Ich hatte Zeit für all das, was ich sonst auch gemacht hätte, musste nicht selbst fahren und bekam noch einige Extra-Infos durch Pip. Trotzdem habe ich jetzt erstmal genug vom Durch-die-Gegend-Touren. Gut, dass ich bald Arbeit habe.

Red Centre Tour: Day 2 – Kata Tjuta

03.08.13

Kata-Tjuta (früher auch: die Olgas) ist sozusagen der große Bruder oder besser beide Elternteile des Uluru, bekommt aber nur ca. ein Achtundsiebziegstel der Aufmerksamkeit. Und das vollkommen zu unrecht. Die Steinformationen sind nicht nur vergleichbar mit denen des Uluru, sondern auch viel zahlreicher. Es sind sozusagen viele, aneinandergereihte Ulurus. Da diese Berge aber, im Gegensatz zum Uluru, von den Aborigines noch als heilige Stätte aktiv genutzt werden, gibt es für Touristen nur wenige freigegebene Wege. Eigentlich sogar nur einen, und der trägt den fantastischen Namen „Valley of the Winds“. Den sind wir dann auch zum Sonnenaufgang gegangen.

Auf dem Weg zum Camp haben wir noch Mount Connor, im Volksmund auch Fooluru genannt, gesehen. Viele Unwissende brechen schon in Jubel aus, wenn sie ihn sehen, dabei ist das Original noch 100km entfernt.

 Mt Connor - Fooluru

Dann ging es Richtung Kings Canyon, wo wir unser Nachtlager aufgeschlagen haben.

Red Centre Tour: Day 1 – Uluru

02.08.13

Lange keine Tour mehr gemacht. Gut, dass ich die 3-Tagestour von Alice Springs ins Red Centre und zurück bereits in Deutschland gebucht hatte und somit endlich wieder früh raus musste – und das an meinem Geburtstag.

Der Truck war diesmal ein Bus mit Anhänger für’s Gepäck und es waren 21 Teilnehmer unter der Leitung von Pip.

pip

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis zum letzten Tag nicht alle Namen gekonnt habe, dazu war die Zeit zu knapp, meine Motivation zu gering und die Leute auch zum Teil etwas uninteressant bzw. anstrengend. Aber ich will ja nicht jammern, denn viele waren auch sehr nett.

Jedenfalls war das erste Ziel der Tour der sagenumwobene Uluru, der seit 1985 wieder im Besitz der Anangu ist und seitdem auch offiziell so heißt (Ayers Rock war nur die „weiße“ Benennung eines Monolithen, der schon lange einen Namen hatte). Dieser liegt übrigens keineswegs gleich um die Ecke von Alice Springs, sondern gute 600km weit weg. Es waren also noch einige Stunden zu fahren. Die Straßen sind aber mittlerweile so gut ausgebaut, dass man eigentlich hauptsächlich geradeaus fahren muss. Und natürlich an allen Stopps die anderen Touren, die die gleiche Route haben – und davon gibt es jede Menge –, wieder und wieder trifft.

Beim Uluru hatten wir ca. vier Stunden Aufenthalt, was laut Plan ziemlich genau für eine Umrundung des Berges reicht. Ich wollte aber gerne noch das Cultural Centre sehen, deshalb habe ich mich von Pip dort zusammen mit John aus England absetzen lassen und darauf gezockt, dass ich beides, Centre und Base Walk, zeitlich schaffe. Ausdauersport ist ja schließlich meine Spezialität. *hüstel* Die Option, auf den Berg zu klettern, gab es wohl auch, aber Pip hat doch sehr deutlich gemacht, dass es sehr gefährlich ist (und dabei diverse Unfälle aufgezählt) und außerdem wenig respektvoll gegenüber den Eigentümern, den Anangu, für die der Uluru ja eine heilige Stätte ist. Ich hatte mich, obwohl ich ja so einige Leute kenne, die dort hochgeklettert sind, im Vorhinein schon dagegen entschieden. Man klettert in einer Kirche ja auch nicht auf die Kanzel oder spuckt ins Weihwasser. (Interessante Randnotiz: Auf die Frage, warum man denn das Besteigen nicht einfach komplett verbieten würde, antwortete Pip, dass dann jeden Tag ein Drittel weniger Touristen kommen würden. Insbesondere die Japaner und Chinesen sehen die Uluru-Besteigung wohl als Höhepunkt ihrer Touren.)

Das Cultural Centre hat mich leider enttäuscht, da hatte ich mir mehr interessante Informationen versprochen. Jedenfalls ging’s dann gleich zum Uluru, für dessen Umrundung ich noch ca. zweieinhalb Stunden hatte. Und mal so als Tipp: Das reicht auch locker. Und es war toll. Ich war total gefangen. Denn ja, auch wenn man ihn schon tausendmal auf Fotos gesehen hat, man muss ihn einfach „live“ erleben. Ich kann auf jeden Fall sehr gut verstehen, dass, wenn man als Aborigine in dieser Gegend aufwächst, man sicher ist, dass dieser Berg eine höhere Bedeutung haben muss. Und wieder einmal muss ich Bill Bryson zitieren, der meine Gefühle so wunderbar auf den Punkt bringt:

Dabei ist der Uluru weder größer noch vollkommener gestaltet, noch in irgendeiner anderen Weise anders als das Bild, das man schon im Kopf hat. Ganz im Gegenteil. Man kennt den Felsen. Man erkennt ihn mit einem Gefühl, das nichts mit Kalenderbildern und Umschlägen auf Fotobänden zu tun hat, sondern sich auf etwas viel Elementareres gründet.

Man begreift es nicht und kann es auch absolut nicht in Worte fassen, doch man empfindet eine Bekanntschaft mit ihm – eine ungewohnte Vertrautheit. Irgendwo in den tiefen Schichten der eigenen Existenz hat sich ein Bruchstück einer lange schlummernden Urerinnerung, ein kleines Fitzelchen DNA gerührt oder gezuckt. Eine Regung, die viel zu schwach ist, als dass man sie verstehen oder deuten könnte, aber aus irgendeinem Grunde ist man überzeugt, dass dieses große, ehrfurchtgebietende Ding eine Bedeutung für einen hat und der Besuch hier doch mehr als Zufall ist.

(Quelle: Bill Bryson, Frühstück mit Kangurus)

Ich versuche das mal, so gut wie es eben geht, mit Fotos zu verdeutlichen:

Alice Springs

01.-02,08, und 05.-07.08.13

Alice Springs ist die Metropole des Red Centre und liegt sozusagen mittendrin. Mehr Zivilisation findet man jedenfalls im Umkreis von mehr als 1000 km nicht. Wie schon Darwin besteht auch The Alice eigentlich nur aus einer Straße, der Todd Street, und liegt am Todd River, der aber standardmäßig trocken ist.

Für Touristen gibt es noch den Anzac Hill, auf dem man sich den Sonnenuntergang ansehen muss sowie diverse Geschäfte mit Aborigine-Kunst. Zusammen mit Matthias (Betonung auf dem ersten „a“) und Dörte aus dem Ghan habe ich die Stadt samt Umgebung erkundet und noch etwas „Shithead“ gespielt – it’s addictive.

Später war ich dann noch im Desert Park, in dem die verschiedenen Landschaften des Outbacks nachgestellt sind und man sich in kostenlosen Vorführungen über Vögel, Reptilien und Überlebensstrategien der Aborigines informieren konnte.

Da der Park etwas außerhalb liegt, habe ich mir ein Fahrrad zum Spaßpreis von $30/Tag geliehen und bin damit gleich zweimal hin und zurück gefahren, denn abends hatte ich noch die Nocturnal Tour gebucht. Auf dieser konnte man die nachtaktiven Tiere sehen, wie sie so in der Gegend herumhoppeln. Darunter auch my new favourite animal, the Bilby:

Ansonsten war in Alice Springs eher nicht so viel los. Wenn die vielen arbeitslosen Aborigines nicht überall herumgelaufen wären, wäre die Innenstadt wohl fast leer gewesen. Zu der Situation der Aborigines mache ich beizeiten nochmal einen eigenen Eintrag. Jedenfalls war es gut, dass ich die Dörte und Matthias hatte, so konnten wir uns gemütlich die Zeit vertreiben. Wenn ich weiterhin so nette Leute kennenlerne, muss ich mir jedenfalls keine Sorgen machen.

The Ghan

31.07.-01.08.13

Der Zug ist vielleicht das ungewöhnlichste Fortbewegungsmittel in Australien, gehört also zu einer ordentlichen Reise dazu. Der Ghan fährt die Strecke von Darwin nach Adelaide, also einmal durchs Rote Zentrum, und macht nur wenige Zwischenstopps – kein Wunder, so viel ist da ja auch nicht. Einer der Stopps ist Alice Springs, und dort wollte ich auch hin. Wie praktisch. Der Bau der Strecke begann 1878, wurde dann aber für entspannte 40 Jahre in Oodnadatta unterbrochen. In dieser Zeitspanne karrten Kamele, die von afghanischen Treibern geführt wurden, Fracht und Passagiere nach Alice Springs. Als die Strecke dann 1929 fertig gestellt wurde, war diese Übergangszeit mit den hart arbeitenden Afghanen der Grund, weshalb sich der Name „The Ghan“ etablierte. (Weitere Ergänzungen bitte durch Basti. Danke.)

Entsprechend abenteuerlich ist auch das Prozedere vor und während der Zugfahrt. Ich hatte ja, an deutsches Zugfahren gewöhnt, gedacht, dass ich ins Stadtzentrum von Darwin gehe, in den Zug einsteige, und dann in Alice Springs wieder aussteige. Denkste. Erstmal musste ich den Shuttle-Bus aus Darwins Innenstadt nehmen, der mich zum Ghan-Bahnhof brachte, welcher noch weiter draußen war als der Flughafen. Dort musste ich mein Gepäck einchecken lassen (bis max. 20kg erlaubt, sonst Topzuschlag) und vor dem Zug noch meine Reservierung vorzeigen. Matthias aus der Schweiz, den ich während dieses ganzen Prozesses kennenlernte, meinte: „It’s more confusing than plane travel.“ (Da wussten wir noch nicht, dass wir beide einigermaßen deutsch sprechen können. Als guter Tourist fängt man Gespräche ja erstmal auf englisch an.) Nachdem ich dann meinen zukünftigen Nachbarn aus den Philippinen von meinem Platz wegkomplimentiert hatte (ich hatte zufälligerweise einen Fensterplatz und den wollte ich sehr ungern hergeben), ist der Zug gegen 10.00 Uhr losgefahren.

Ich habe leider keine Fotos vom Innenraum gemacht, aber es war komfortabel und ich hatte sehr viel Platz – ich konnte meine Beine fast komplett ausstrecken. Außerdem hätte man den Sitz fast komplett flach stellen oder etwas schräg drehen können, wenn man denn mit den Nachbarn hätte sprechen wollen. Ich saß in der günstigsten Klasse, dem Red Service Ready Rail-Wagen. Davon gab es nur einen, alle anderen Wagen waren entweder Gold- oder sogar Platin-Waggons (die das Doppelte bzw. Dreifache gekostet hätten), durchweg besetzt mit netten alten Leuten, meist wohl Australiern. Trotz unterster Kategorie (hier könnte ich mal wieder aus Bill Bryson zitieren, lasse es aber), gab es an Bord neben der Kantine noch Toiletten und sogar eine Dusche – die Fahrt sollte ja immerhin 23 Stunden dauern.

Wobei das, wie ich nach und nach mitbekommen habe, nicht die reine Fahrtzeit ist. Denn obwohl 1400km ziemlich weit sind, wäre das durchaus schneller zu schaffen. Zumindest wenn der Zug schneller als 80-100km/h fahren dürfte und er nicht einen geplanten vierstündigen Aufenthalt in Katherine hätte. Dort konnte man nämlich noch ein paar Touren machen, wenn man nicht vier Stunden am langweiligen Bahnhof herumsitzen wollte. Da ich aber schon in der Katherine Gorge war, bin ich lieber nach Katherine-Town gefahren und habe im Shuttlebus das Alter gehörig heruntergezogen. (Fühlte sich auch mal wieder schön an.) Dort bin ich zwar auch schon gewesen, konnte so aber zumindest was zu Mittag essen und etwas herumstreunen.

Als es dann wieder weiterging, habe ich mich mit Matthias und Dörte aus Delmenhorst in den Speisewagen verzogen und sie haben mir ein neues Kartenspiel mit dem schönen Namen „Shithead“ beigebracht, welches wir dann mindestens vier Stunden lang gespielt haben. Danach ging’s ab ins Bett (= Sessel) und ich konnte noch ca. sieben Stunden schlafen – gut, dass ich schnarchgeräuschresistent bin (Dörte ist das nämlich nicht und hat nur ca. drei Stunden geschlafen).

Nach einem leider wenig spektakulären Sonnenaufgang (ich hatte ja mit Ödnis hoch drei gerechnet, stattdessen stehen da dauernd Büsche und Bäume im Weg) kamen wir dann um 9.00 Uhr in Alice Springs an. Am Bahnhof habe ich mich noch schnell nach dem Weg zu meinem Hostel (Haven Backpackers) durchgefragt (ja, man hätte sich auch vorher einen Plan ausdrucken können). Dieses war praktischerweise nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, sodass ich mir den Shuttlebus diesmal sparen konnte (Taxis waren überraschenderweise gar nicht da) und mit meinen neuen irischen Mitbewohnern gleich einchecken und nach einer kurzen Ruhepause Alice Springs erforschen konnte.

Kakadu National Park

28.-30.07.13

Heute hieß es „Goodbye, Birte“ (*schluchz*) und damit der Abschiedsschmerz nicht zu stark wird, haben Ivar (ein Niederländer von der Tour) und ich uns einen Wicked Campervan gemietet und sind zur Ablenkung in den Kakadu Nationalpark gefahren. Unser Van sah so aus:

Wicked, oder? Ich kann den Verleih übrigens nicht empfehlen. Bei 110km/h geht die Temperaturanzeige bereits über die Hälfte hinaus und man muss ewig mit 80km/h durch die Gegend juckeln, bis sie sich wieder einigermaßen eingependelt hat. Das kostet natürlich Zeit und Nerven. Außerdem vermieten die ihre Autos mit fast leerem Tank, sodass man erstmal tanken fahren muss. Und waschen muss man den Wagen bei Rückgabe auch noch. Skandal!

Auf dem Weg zum Nationalpark bin ich dann gleich durch mein erstes Buschfeuer am Straßenrand gefahren. Standard um die Jahreszeit. Trotzdem wenig Sicht. Am Visitor Centre haben wir erstmal wieder getankt, denn eine Tankfüllung reicht nur für 300km. (Gut merken, das wird noch wichtig.) Dort hat uns die nette Informationsangestellte auf unser Anliegen „long walks, no people, plunge pool“ die Yumikmik Walks empfohlen. Wir sind also gleich in den Süden des Parks gefahren und haben abends noch den Boulder Creek Walk mitgenommen.

Am Campingplatz konnten wir dann aus unsere reichhaltige Erfahrung aus den Touren zurückgreifen und mit Restgas und Co das Essen zubereiten. Lecker.

P1060120

Nach sehr langem Schlaf (wir waren beide überrascht) sind wir dann zum Motor Car Falls Walk aufgebrochen. Dumm nur, dass der an einer dirt road liegt, über die wir laut Vertrag mit unserem Campervan nicht fahren durften. Ging aber trotzdem. Das Risiko wurde belohnt mit vielfältiger Landschaft – Steine, rote Erde, Bäume, Gestrüpp, Hügel, Wasser. Und auf dem Rückweg wartete sogar noch ein schöner Pool auf uns.

Wieder am Van stand dann das nächste Abenteuer an: tanken. Denn wir waren ja gestern ganz in den Süden des Parks gefahren. Leider gibt es aber nur im Norden Tankstellen. Und wenn die Strecke (one-way) ca. 200km lang ist, der Tank aber offiziell nur 300km hält, könnte es Probleme geben. (Wie dämlich ist es eigentlich in Australien, wo die Entfernungen zwischen den Ortschaften ohnehin schon riesig sind, ein Auto mit einer 300km-Leistung zu vermieten?! Da kommt man aus dem Tanken ja gar nicht mehr heraus.) Wir also immer schön 80km/h, Klimaanlage aus und fingers crossed Richtung Norden. 80km vor der Tankstelle meinte Ivar dann: „It’s empty.“ Gut, dass man noch mindestens 81km mit leerer Tankanzeige fahren kann, so dass wir in Cooinda tanken und zur Belohnung noch ein Eis essen konnten.

Mit vollem Tank ging’s dann zur Yellow Water-Region, wo wir die wetlands und unser zweites Salzwasserkrokodil gesehen haben.

Übernachtung auf dem Malabanjbanidju-Campingplatz, zusammen mit Mückenhorden. Im Van habe ich Ivar dann noch „Ansagen“ (Luhdorfer kennen das unter einem anderen Namen) beigebracht.

Am nächsten Morgen sind wir früh raus, da wir den Wagen am Nachmittag zurückgeben mussten und vorher noch möglichst viel sehen wollten. Auf dem Manngarra Walk, der direkt gegenüber von Arnhem Land, einem Gebiet, in dem ausschließlich Aborigines leben (zum Teil sogar noch so, wie sie das seit Jahrtausenden tun), liegt, haben wir dann auch jede Menge Krokodile gesehen, so früh morgens auch noch im hunting-mode (kurz auftauchen, gucken, wieder untertauchen und ganz woanders wieder auftauchen – wir haben lieber nicht gebadet). Wer braucht schon diese ganze croc spotting cruises?

Leider konnten wir den Weg nicht ganz zum Ende gehen, da dort nur Frauen der Zutritt erlaubt war.

womenonly

Sowas aber auch.

Weiter ging’s nach Ubirr, einem Ort, an dem die Aborigines seit Jahrtausenden ihre Wandmalereien anfertigten. Dort haben wir an den kostenlosen Ranger talks teilgenommen, die wirklich exzellent waren. Die Aborigines sind schon ein faszinierendes Volk.

Hinter den Malereien auf dem ersten Bild verstecken sich viele ältere paintings, die übergemalt wurden und bis zu 40.000 Jahre zurückgehen könnten. Aus Respekt vor der Aborigine-Tradition lässt man sie aber so, wie sie sind.

Das mittlere Bild ist in ca. 10 Meter Höhe unter einem Felsvorsprung gemalt worden. Das schaffen, laut den Aborigines, nur die Mimi spirits, die lang und schmal sind und sich die Felsen einfach herunterholen, um sie zu bemalen, und sie danach wieder an den alten Platz hängen. Leider sind sie für die meisten Menschen unsichtbar.

Das rechte Bild ist keine Malerei, sondern ein Abdruck der Rainbow Serpent, im Aborigine-Glauben die Erschafferin der Welt. Selbstredend, dass der Platz heilig ist.

Danach sind wir wieder zurück nach Darwin gefahren, haben unterwegs das Auto gründlich gewaschen (der rote Sand hätte uns ja evtl. verraten) und es dann mit seeeeehr leerem Tank zurückgegeben. (Der nächste Ausleiher hat es hoffentlich noch bis zur Tankstelle geschafft.)

Abends dann noch auf ein erneutes Abschiedsgetränk ins Monsoons, dann ins Bett und am nächsten Morgen mit dem Shuttlebus zum Bahnhof – eine Zugfahrt stand auf dem Programm.

Darwin

25.-28. und 30.-31.07.13

Die größte Stadt des so genannten Top End besteht im Prinzip hauptsächlich aus einer Straße, der Mitchell Street. Dort befinden sich fast alle Hostels sowie die meisten Kneipen, Restaurants und Partylokalitäten, von denen ich folgende aufgesucht habe: Banyan View Lodge, YHA, die Tour-Stammkneipe Monsoon’s, The Coffee Club, in welchem man andauernd Ex-Tourmitglieder vorbeigehen sieht und wo sie an Feiertagen 15% Preisaufschlag nehmen und die Mehrkosten des Personals direkt an die Kunden weitergeben – war aber sehr lecker, ebenso wie das Thai-licious. Mehr habe ich nicht geschafft.

Dazu hat Darwin eine sehr schöne Hafengegend, in der man Fische essen und füttern kann, auch parallel, indem man, wie viele Sitznachbarn, Brot ins Wasser schmeißt und sich anguckt, wie sich die lieben Fischchen darum streiten. Die australische Fischspezialität ist übrigens der Barramundi und schmeckt recht lecker. Der Hafengegend vorgelagert ist der „Strand“, eine künstlich erschaffene Bucht, in der man… naja…  plantschen kann.

Insgesamt ist Darwin bisher meine favorisierte australische Stadt – wobei man fairerweise sagen muss, dass ich hier am meisten Zeit verbracht (aber kaum Fotos gemacht) habe und ich außerdem ja erst ca. drei andere gesehen habe.

West Coast Tour: Day 21 – Katherine to Darwin

25.07.13

Ein luxuriöses Abschlussfrühstück mit Bacon and eggs, Pancakes und allem, was dazugehört und dann zu den Edith Falls, zu denen Ivar etwas abgestumpft meinte: „Just another waterfall.“ Hatte er aber irgendwie recht. Nachdem, was wir alles gesehen haben, wirkte er eher niedlich und wenig spektakulär. Aber ein netter Tourabschluss.

Denn danach ging es direkt nach Darwin, dem Ziel unserer Reise. Dort gab es endlich mal wieder ein Bett. Und auch wenn es auf dem Foto nicht ganz so rüberkommt wie in der Realität – ich war ganz schön dreckig.

 dreckig

Das Shirt habe ich übrigens Birte mitgegeben. Das war einfach mit australischem Waschmittel nicht mehr sauber zu kriegen. Mal sehen, ob das in Deutschland funktioniert.

Abends haben wir noch den obligatorischen Tourabschied im Monsoon’s gefeiert – gut, dass ich Disco-Fox auf alles tanzen kann – und dann waren 21 Tage Tour vorbei. Es war meiner Ansicht ein perfekter Einstieg in das vor mir liegende Jahr. Es war, wie viele, die bereits die Ostküste bereist hatten, meinten, das Australien, wie man es sich (und ich mir auch) vorstellt – unendliche Weiten (hierzu mal wieder ein Zitat von Bill Bryson: „Fünfhundert Meilen in Australien sind nicht das Gleiche wie fünfhundert Meilen woanders, und das begreift man erst, wenn man das Land auf Bodenniveau durchquert.“), roter Sand überall, unberührte Natur, faszinierende Landschaften (ich habe noch nie so lange aus dem Fenster eines Busses gucken können, ohne, dass mir langweilig wurde) und klare Gewässer. Dazu zwei tolle Guides und eine wirklich nette, unkomplizierte und effiziente Truppe, in der es keinen gab, der genervt hat.

Birte, die ja schon ordentlich in Australien herumgekommen ist, meinte bereits nach der ersten Woche, dass ich gleich wieder mit nach Hause kommen könnte, denn das, was wir alles gesehen und erlebt haben, ist nur schwerlich zu toppen.

Well, I’ll give it a try. 😉

West Coast Tour: Day 20 – Lake Argyle to Katherine

24.07.13

Morgens auf dem Nawulbinbin Walk noch ein paar Aboriginal paintings abgecheckt.

Dann hieß es „Goodbye, Western Australia“ (*schluchz*) und es ging ins Northern Territory, zur Katherine Gorge, wo meine bis dahin favorisierten Tiere zusammen auftraten: Wallabies und Flying Foxes.

Einige waren noch kurz in der Gorge schwimmen. Ich bin dort lieber gestanden – wer’s kann.

(das Foto muss ich aber erst von Ivar bekommen, sorry)

(Ich habe übrigens drei Tage später erfahren, dass zu der Zeit wohl ein Salzwasserkrokodil in der Gorge gesichtet wurde. Ich war also mit Salties schwimmen. Cool.)

Die Gorge selber war natürlich auch wieder sehr nett anzusehen.

Unterkunft auf dem Campingplatz in Zelten (!) und ohne Swag – war auch gleich deutlich kälter, wenn man keinen Daunenschlafsack hat.