Archiv des Monats: September 2013

Cane Toads

Die folgende Story hat mich während meines ganzen Australienaufenthaltes begleitet, in verschiedenen Variationen und Ausprägungen. Ich habe hier mal meine favorisierte Version niedergeschrieben:

Die Geschichte der Cane Toads macht gut deutlich, warum die Australier so pingelig sind, wenn es um die Einfuhr von fremder Flora und Fauna geht. So hatte vor gar nicht allzu langer Zeit in einem nicht allzu weit entfernten Örtchen, nennen wir es Mossman, ein gar nicht allzu heller Farmer eine Idee, wie er die ganzen blöden Käfer, die seine Zuckerrohrfelder befallen haben, loswerden könnte. So importierte er einen kleinen Koffer mit ein paar Handvoll Kröten aus Südamerika, deren Leibspeise die bereits vorgestellten Käfer sind, und setzte sie in seinem Feld aus, auf dass sie alle blöden Käfer auffressen sollten. Was er leider nicht bedacht hatte, war, dass die Kröten nicht springen können, geschweige denn an dem Zuckerrohr hochlaufen können. Die Käfer ihrerseits aber schon. Das taten sie dann, als sie merkten, dass man ihnen nach dem Leben trachtete, auch. Und die Kröten guckten wohl gleichzeitig dumm aus der Wäsche und hoch auf die Käfer in den Zuckerrohren.

So weit, so dämlich. Was nun aber extrem ungünstig war, ist die Tatsache, dass sich die Kröten – sei es aus Langeweile ob der Untätigkeit oder einfach so – in einer unglaublichen Geschwindigkeit vermehrten, noch bevor der werte Farmer auch nur daran denken konnte, sie wieder einzusacken. Und so waren binnen kürzester Zeit ganze Landstriche von diesen Kröten durchzogen. Das klingt jetzt erstmal nicht nach einem immensen Problem, wenn man aber bedenkt, dass diese Kröten für Menschen hochgiftig sind, wird das Ausmaß dieses Vermehrungsprozesses nachvollziehbarer. Zwar muss man schon an ihnen lecken, um sich wirklich zu vergiften, aber immerhin. Außerdem fressen sie natürlich den einheimischen Tieren die Nahrung weg und vergiften diese auch teilweise.

Ausgehend von diesem einen Feld sprangen (Obacht: Wortspiel) die Kröten jedenfalls auf weitere Teile Queenslands über, bis sie im ganzen Staat zu finden waren. Von dort ging es in den Westen ins Northern Territory und im Moment sind sie gerade dabei Western Australia zu bevölkern. Die Regierung versucht mit allen Mitteln dieses Vordringen einzudämmen und veranstaltet „Catch a toad“-Tage in den Schulen, an denen alle Schüler möglichst viele dieser Viecher fangen sollen. Interessante Idee, oder? Natürlich haben die lieben Kleinen Schutzhandschuhe an.

So richtig von Erfolg gekrönt sind diese Aktionen aber nicht, und so findet man sie immer mal wieder in feuchten Ecken und auch in Gorges, frei nach dem Motto: Und wenn sie nicht gestorben sind, vermehren sie sich noch heute.

Cairns – Part 3: Tobi dives the sky

Nachdem ich nun ja bereits tief getaucht war, wollte ich auch noch den Himmel erkunden, und habe deshalb doch tatsächlich einen SkyDive gemacht. Das Video dazu halte ich lieber erstmal unter Verschluss, ich kenne ja meine lieben Freunde und weiß, was mir sonst bei meiner Hochzeit blüht. Als Tipp für mitlesende zukünftige SkyDiver: Nicht zu lange mit dem Gesicht Richtung Boden schauen. Ich veröffentliche hier jedenfalls lieber ein paar akzeptable Fotos 😉

Cairns – Part 2: Tobi taucht

24.-28.08.13

Nach mehr als zwei entspannten Wochen hat mich wieder das Reisefieber gepackt und ich brauchte etwas Action. So passte es sehr gut, dass ich über eine zufällige Bekanntschaft im Reisebüro einen guten Discount auf den Tauchkurs meiner Wahl bekam und somit wieder in Cairns war, um Open Water Diver zu werden – auch wenn meine Eltern ja früher immer gesagt haben, dass ich nichts tauche… (Nee, stimmt gar nicht, war nur für den blöden Gag.)

Der Kurs setzte sich zusammen aus zwei Tagen Theorie- und Praxisunterricht im und am Pool sowie drei Tagen auf dem Great Barrier Reef mit neun Tauchgängen und Übernachtung auf dem Schiff. Und es wird den geneigten Leser wenig verwundern: Es war ziemlich geil. Wieder so ein Sport, der süchtig macht. Sogar so süchtig, dass ich noch die freiwillige Weiterbildung zum Adventure Diver mitgenommen habe, mit der ich nun bis zu 30m tief tauchen darf. Ich muss ja zugeben, dass ich gerade am Anfang mehr auf mich selbst als auf das Drumherum konzentriert war, aber dieses Große Barrierenriff (wie es mein altbewährter Reader’s Digest-Atlas aus Schulzeiten nennt) ist schon eine unglaublich tolle Umgebung. Dazu kam noch, dass ich mit James aus Nottingham den besten dive buddy hatte, den man sich vorstellen kann. Und der hatte auch noch eine Kamera, so dass ich sogar mit Fotos angeben kann:

Da wir beide so angefixt waren, haben wir uns am Ende des Kurses gleich für einen gemeinsamen Tauchgang auf der S.S. Yongala, einem der angeblich zehn besten Tauchreviere der Welt, in der Nähe von Townsville, verabredet.

Mossman – Part 4: Ein großes Dankeschön

Die Zeit bei Shaun war wirklich genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Ein eigenes Bett, einen Schrank, eine Dusche, Zeit für mich. Und als Bonus kam noch der Pool, die Sonne, die DVD-Kollektion und die hervorragende Verpflegung und Gesellschaft obendrauf. Shaun hat mich mit zu seinen Freunden und Nachbarn genommen, wenn die nicht gerade mal selbst vorbeigekommen sind. Und es waren allesamt tolle Menschen:

– Ducky, die gebürtig Elizabeth Taylor heißt, und in der ganzen Stadt bekannt ist für ihre hochfrequente Nutzung des F-Wortes,

– Steven und Paul, die ortsansässigen Bestatter mit einem unglaublich toll gelegenen Haus,

– Sharon, die irgendwie mit Stephen Hawking verwandt ist, und der wir beim Umzug geholfen haben, in das tollste Haus, das ich je gesehen habe (das kann man aber auch nur in den Tropen bauen)

– Derek, dessen Frau ich leider nicht kennen gelernt habe, und der einer von Shauns nächsten Nachbarn ist – ca. 3km bergauf – und dort den lieben langen Tag sein riesengroßes Anwesen pflegt,

– Jimmy und Kylie, die vor kurzem den fast ganzen Berg vor Shauns Haustür gekauft haben – samt Regenwald, Weideland und dieser Aussicht:

– und nicht zuletzt Ryan, Shauns Neffe, der mit Shaun zusammen wohnt und in der örtlichen Zuckermühle arbeitet.

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Ich habe mich sehr wohl gefühlt und werde die Zeit bestimmt nicht vergessen – und eigentlich muss ich ja sowieso in der Regenzeit nochmal da hin. Und in der Trockenzeit auch nochmal.

Mossman Gorge

24.08.13

Ich hatte ja lange keine Gorge mehr gesehen, da war es natürlich ganz praktisch, dass in Mossman eine ist. Und im Regenwald ist das nochmal eine ganz andere Erfahrung.

Ein paar Tage später habe ich dann noch mal Tourist gespielt und am Dreamtime Legend Walk teilgenommen, geleitet von Harold, einem Mitglied der Kuku Yalanji, dem ortsansässigen Aborigine-Stamm. Er als Medizinmann seines Stammes hat uns erzählt, wofür die Aborigines alles Heilpflanzen haben (z.B. Hautkrebs), und hat gezeigt, wie sich Nahrungssuche, Jagd und Gemeinschaftsleben abgespielt haben. War eine gute Führung.

Port Douglas

16.08.13

Gleich um die Ecke von Mossman liegt der Touri-Ort Port Douglas, wunderschön auf einer erhöhten Halbinsel gelegen, mit tollen Stränden und Aussichten. Überall wimmelte es von Palmen und Mangroven. Der Ort selber war mir aber deutlich zu touristisch und erinnerte mich etwas an meinen einzigen Mallorca-Urlaub. Wir waren an einem Freitag da und haben an jedem Strandabschnitt, den wir besucht haben, eine Hochzeitsgesellschaft getroffen.

Am Strand haben wir John „Jack“ Haywood getroffen, einen bekannten Schauspieler (Beastmaster), der gerade ein Theaterstück über die Daintree-Blockade schreibt. Shaun kannte ihn aus einer Zusammenarbeit im Theater. Jetzt kann ich endlich mal erzählen, dass ich auch andere berühmte Personen kenne – außer dem Typen von „Upps! – Die Pannenshow“.

Mossman – Part 3: They’re coming fo ya!

Da ich mir den Vormittag ja selbst einteilen konnte, habe ich mir gedacht, dass ich etwas joggen gehe. Das musste auf Grund der Temperaturen und Luftfeuchtigkeit möglichst vor Sonnenaufgang geschehen,

Ich hatte schon etwas Respekt vor dem Weg, denn ich hatte einige Geschichten über die im Regenwald lebenden Tiere gehört. Da ist z.B. der Taipan, die gefährlichste Schlange, die man sich so vorstellen kann. Immer in sehr gereizter Stimmung und sehr aggressiv, greift er alles an, was er zu Gesicht bekommt. Angeblich wurde er schon beobachtet, wie er einem vorbeifahrenden Auto hinterhergejagt ist („You killed my brother!“). Und der wurde halt schon in der Gegend gesichtet. Ryan meinte gleich vorsorglich, dass ich diesen Viechern lieber aus dem Weg gehen sollte, denn „when they see you, they’re coming for ya.“ Danke für den Tipp.

In den Zuckerrohrfelder, die in der Gegend zuhauf stehen, leben außerdem Wildschweine. Große, wilde. Und „when they see you, they’re coming for ya.“

Und dann ist da noch der Cassowary, eigentlich ungefährlich, aber wenn bedroht, schlägt er gerne mit seinen scharfen Klauen nach dem potenziellen Angreifer. Und dann kommt er auch öfter auf einen zu, so nach dem Motto: „when they see you, …“ well, you know.

That reminds of this song:


YouTube Direkt

Trotz aller potenzieller Ausflüchte, habe ich mich doch morgens aufgemacht und bin etwas gejoggt. Ich habe zum Glück keines dieser ganzen gefährlichen Tiere getroffen. Dafür aber einen sehr aggressiven Hund, der jedesmal, wenn ich an seinem Grundstück vorbeigelaufen bin, wild bellend und Zähne fletschend herausgerannt kam und mich ordentlich verfolgte. Da fürchtet man sich vor diesen ganzen gefährlichen Viechern und dann ist so’n doofer Hund das Schlimmste. Und nachdem ich das ganze Prozedere bei zwei Läufen sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg durchgemacht hatte, habe ich mich entschieden mit dem Joggen aufzuhören mir einen anderen Weg zu suchen. Der war aber lange nicht so schön, so dass ich diese Aktivität etwas eingedämmt habe und statt dessen lieber im Pool geschwommen bin.

Mossman – Part 2: Und plötzlich stehe ich im Regenwald

08.-24.08.13

Wofür ich wirklich lange zum Realisieren brauchte, war die Tatsache, dass ich mich nun im Regenwald befand. Nach der roten, eher kargen Landschaft in und um Alice Springs und das Rote Zentrum blickte ich nun auf grüne Wälder und hohe Berge – und das, auch dies musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, im Winter, bei 28° Celsius und kaum Wolken am Himmel.

Doch nicht nur die vegetationsfreudige Pflanzenwelt war überwältigend (vor allem wegen der Größe der ganzen Gewächse), mich hat insbesondere die Tierwelt fasziniert: so viele mir bisher unbekannte Vögel und Tiere, die auch noch bunt und lustig aussahen.

Vom nervigen Curlew habe ich leider keine Bilder gemacht.

Cape Tribulation

09.08.13

Das Kap des Trübsals liegt nördlich von Mossman, im Daintree Rainforest. Der Name passt mal so gar nicht, aber es war für James Cook damals gerade eine eher leidvolle Zeit, als er den Ort erreichte, und zwar schwimmend, da er vor der Küste Schiffbruch erlitt. Ein wunderschönes Plätzchen – where the rainforest meets the reef.

Shaun war von den Touristenmassen genervt. Mich haben die fünf anderen Leute am Strand nicht so sehr gestört. Und ein Bad an diesem Ort war natürlich Pflicht. Wenn in diesen Gewässern nicht so viele todbringende Viecher herumschwimmen würden: Haie, Krokodile, die sich aus den Flüssen gerne mal ins Meer bewegen, und natürlich der Box Jellyfish und der Irukandji, Quallen, die einem bei auch nur der geringsten Berührung mit ihren Tentakeln Höllenqualen und bleibende Striemen bereiten. Deren Saison beginnt aber zum Glück erst im Oktober (dann sollte man nur noch im Ganzkörperneo ins Wasser gehen). Shaun meinte aber, dass weit und breit nichts Gefährliches zu sehen sei, so dass ich mich kurz abkühlen konnte.

Mossman – Part 1: Helfen leicht gemacht

08.-24.08.13

Da ich ja aufgrund meines gehobenen Alters in Australien nicht mehr für Geld arbeiten darf, habe ich mich nach anderen Optionen umgesehen und bin dabei neben WWOOFING auf die Website helpx.net gestoßen. Hier suchen Menschen nach Helfern für verschiedene Arbeiten, meistens Hausputz und Gartenarbeit, aber auch Tierpflege, Kinderaufsicht oder Bauarbeiten. Der Deal ist: ca. vier Stunden Hilfe/Arbeit pro Tag und dafür kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Und weil ich ja für meine Reinlichkeit bekannt bin, habe ich mich bei Shaun in Mossman, ca. 100km nördlich von Cairns, beworben und wurde angenommen.

Mossman liegt mitten im Regenwald und direkt an der Great Dividing Range, einem Gebirgszug, der Australien von Norden nach Süden durchzieht. Die Gegend (von Cairns nach Norden bis zum Cape York) heißt auch Far North Queensland, FNQ. Wobei das laut Shaun auch häufig für Fucking Nothing Quick stehen kann. Und das kam mir jetzt gerade recht.

Shaun lebt auf einem one acre großen Anwesen (manche mögen es auch Resort nennen), etwas außerhalb von Mossman (Upper Cassowary Road 37), auf dem er diverse tropische Pflanzen züchtet, ein paar Hühner hält und einen Pool hat. Im Garten stehen Palmen und er baut Bananen, Zitronen, Limonen, Ananas und viele andere exotische Früchte an. Nur Äpfel wachsen in den Tropen nicht. Witzig irgendwie. Meine Aufgabe laut Ausschreibung war jedenfalls, dass ich etwas im Haushalt helfe und ihn bei der Gartenarbeit unterstütze. Leider ließ er mich nicht 😉

Nachdem wir die ersten Tage eigentlich nur gesessen, gegessen, getrunken und geschnackt haben und er mich sogar noch nach Cape Tribulation gefahren hat (Bericht folgt), habe ich mal vorsichtig angefragt, was ich denn tun könnte, um meinen Aufenthalt hier zu rechtfertigen. Shaun meinte: „First, settle in. For me it’s more like a cultural exchange.“ Nun gut. Bzw.: Großartig!

Hier ein paar Bilder meiner Unterkunft: